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Neues Jahr, Neue Hoffnung - Auswilderungen von BOS-Orang-Utans

Auf einer Orang-Utan-Insel

Endlich frei sein

Das Jahr 2012 wird ein bedeutendes für die BOS Foundation

und vor allem für einige Orang-Utans der Rehabilitationsstationen Nyaru Menteng (NM) und Samboja Lestari (SL). Die jahrelangen Bemühungen der BOS Foundation haben sich gelohnt, bereits im Februar 2012 sollen endlich mehrere Individuen in ein Waldgebiet namens Murung Raya ausgewildert werden. Und weitere Orang-Utans werden folgen.


Die in Zentral-Kalimantan angesiedelte Rettungsstation Nyaru Menteng macht den Anfang und wird bereits im Februar die ersten 16 Tiere dorthin entlassen, wo sie hingehören – in den dichten unberührten Regenwald Borneos. Zum ersten Mal seit 9 Jahren sollen BOS-Orang-Utans der Klasse 2, also jene, die mit 3-5 Jahren in die Station kamen - ausgewildert werden. Man spricht hier von halb-wilden Tieren, die schon selbst ausreichend Fertigkeiten im Dschungel erlernt haben und in der Station „nur“ gestärkt, medizinisch versorgt und in ihrem natürlichen Verhalten unterstützt werden. Das sind größtenteils Tiere, die zwar beobachtet werden müssen (post-release monitoring), sich aber schnell wieder an ihre natürliche Umgebung gewöhnen werden.


Erst wenn die Ansiedlung dieser Tiere in ihrer neuen/alten Heimat erfolgreich war, steht die Auswilderung rehabilitierter Orang-Utans der Klasse 3 an. Hierbei handelt es sich um Individuen, die entweder noch Babys waren, als sie zu BOS kamen, oder jahrelang als Haustiere gehalten wurden. Nicht alle dieser Tiere werden wieder in Freiheit leben können. Manchen von ihnen ist einfach zu viel Leid widerfahren, als dass ein neuer Anfang je wieder möglich sein wird. Bereits seit 20 Jahren kämpft die Borneo Orangutan Survival

Foundation für den Schutz der stark bedrohten Orang-Utans und ihres Lebensraumes, dem Regenwald in Indonesien.

 

Der Eingang zum Info-Zentrum

Nyaru-Menteng – Ein Tor zur Freiheit
Die BOS-Station Nyaru Menteng ist die größte Primatenrettungsstation der Welt. Seit der Gründung 1999 durch Lone Dröscher-Nielsen wurden über 1.000 Orang-Utans gerettet und in die Station gebracht, vor allem illegal gehaltene Babys, aber auch ältere Orang-Utans, die vor Feuern fliehen mussten oder aus Gebieten, die für Ölpalmplantagen abgeholzt werden. Derzeit trägt Nyaru Menteng die Verantwortung für 620 Orang-Utans in allen Altersstufen von Babys zu reifen erwachsenen bzw. ausgewachsenen Tieren. Sie sind entweder im Babyhaus, den Sozialisationskäfigen, der Waldschule oder auf sogenannten Prä-Auswilderungsinseln untergebracht.


189 Orang-Utans sind derzeit bereit, in die Freiheit entlassen zu werden und über 200 sind bereit, auf Inseln gebracht zu werden, sobald dort wieder Platz frei wird. Im Februar sollen insgesamt 16 Orang-Utans von den Inseln nach Murung Raya ausgewildert werden. Welche das sein werden, wird allerdings erst kurz vorher endgültig feststehen.
Parallel laufen bereits seit längerem Verhandlungen zur Pacht weiterer Inseln in Zentralkalimantan, namentlich Pulau Salat (600 ha), Pulau Badak (104 ha), Pulau Barasak (120 ha), denn die Station ist  mehr als ausgelastet und viele Orang-Utans müssen leider bisher in Käfigen auf Ihre Auswilderung warten.

 

Schritte zur Wiedereingliederung

Um Orang-Utans in ihren natürlichen Lebensraum auszuwildern, müssen aufwendige Vorbereitungen getroffen werden. Einfach den Käfig zu öffnen und die Tiere sich selbst zu überlassen ist leider nicht möglich. Zu schön wäre es, wenn es so einfach ginge.


Zunächst müssen geeignete Gebiete gefunden werden, die bestimmten Kriterien zu 100 % entsprechen. Erkundungen in ganz Zentral-Kalimantan wurden durchgeführt, um ein geeignetes Auswilderungsgebiet zu finden.  Diejenigen winzigen, verinselten Regionen, die noch ausreichend bewaldet sind, eigenen sich zumeist nicht, weil es entweder eine zu große, wilde Orang-Utan-Population gibt (National Parks etc.) oder ein akutes Umwandlungsrisiko besteht, z.B. durch Palmölplantagen o.ä. 


Die Unterstützung sowohl durch den Staat als auch durch die Kommunen bzw. der lokalen Bevölkerung ist für das gesamte Vorhaben unerlässlich und muss in langwierigen Verhandlungen gewonnen werden. Nach der eigentlichen Auswilderung müssen die Tiere dann über einen längeren Zeitraum sorgfältig beobachtet werden (Monitoring).


Die Kriterien, die ein Waldgebiet überhaupt erst zu einem potentiellen Auswilderungsgebiete machen, sind umfangreich. Zum Beispiel sollen dort keine größeren wilden Orang-Utan-Populationen leben, da dies Konflikte mit den neu Angesiedelten mit sich bringen könnte. Außerdem muss das Gebiet groß genug sein, um eine überlebensfähige Population zu tragen, also mindestens 120 Hektar pro Individuum. Es sollte weitgehend unter 250m Höhe liegen, genügend verschiedene

Das Auswilderungsgebiet

Nahrungspflanzen bereitstellen und auch in Zukunft noch

bewaldet bzw. sicher für Orang-Utans bleiben.

 

Murung Raya – Das neue Zuhause – Die neue Heimat

Zahlreiche Untersuchungen in den Auswilderungsgebieten wurden erstellt u.a. zur Artenvielfalt, der Dichte von Dipterocarpaceen (Flügelfruchtgewächse – eine wichtige Nahrungsquelle für Orang-Utans) und anderer Nahrungsarten. Die Untersuchungen in Murung Raya ergaben, dass es in diesem Gebiet in Zentral-Kalimantan große Areale geeigneten Waldes gibt und nur noch sehr wenige wilde Orang-Utans dort leben. Ein großer Teil des Waldes besteht aus Primärregenwald, ist abgelegen und sehr dünn besiedelt.


Diese Wälder sind perfekt für die Auswilderung von Orang-Utans geeignet und die letzte Hoffnung, unsere Orang-Utan-Waisen endlich in die Wildnis zu entlassen.

 

Die Auswilderung von Orang-Utans - eine große logistische Herausforderung
Zu den Vorbereitung, die mit dem neuen Auswilderungsgebiet in Zusammenhang stehen, gehören u.a. die Verhandlungen mit der lokalen Regierung, der obersten Naturschutzbehörde und dem Forstministerium, die Prüfung der Eignung des Gebiets und der Berechnung der Tragfähigkeit, die Aufklärung der lokalen Bevölkerung, die Errichtung eines Camps und das Training von Rangern. Und noch viele weitere Komponenten sind erforderlich.


Auch den Orang-Utans wird ein umfangreiches Vorbereitungsprogramm zuteil; es müssen u.a. Verhaltensbeobachtungen und medizinische Tests durchgeführt und Quarantänekäfige gebaut werden. Weil das Auswilderungsgebiet weit entfernt und schwer zugänglich ist, erfolgt der Transport mit einem Hubschrauber. Die Orang-Utans werden vorher mit einem Peilsender ausgestattet, um sie später orten und gegebenenfalls beobachten zu können.

 

Die Kosten der Auswilderung

Da die Auswilderungen der Orang-Utans mit sehr umfangreichen Vorbereitungen verbunden sind und die Gebiete meist sehr weit entfernt sind, wird sehr viel Geld benötigt. Allein die Kosten für die Auswilderung eines Tieres liegen bei 6700 Euro! Ein Hubschrauberflug kostet z.B. 2700 Euro, ein medizinischer Test rund 120 Euro, ein Kontrollgerät zur Ortung der Orang-Utans 340 Euro.

Hinzu kommen Kosten für die Konzessionen der Gebiete, die Errichtung eines Camps, die Bezahlung von Rangern zur Überwachung des Gebietes und einiges mehr.

 

Insgesamt sollen im Laufe der nächsten Jahre 500 Orang-Utans in die Freiheit entlassen werden. Für dieses Vorhaben benötigt BOS dringend finanzielle Unterstützung!

 

Erste Schritte in Freiheit

Eine Vision wird Wirklichkeit
Die Auswilderungen sind notwendig um wichtige Schutz-Bedürfnisse des Orang-Utans zu erfüllen. Die Rettungs- und Rehabilitationsstationen sind ein wichtiger Bestandteil der Konfiskation und Strafverfolgung bei Orang-Utan-Misshandlungen oder illegaler Haustierhaltung. Das Entlassen von Orang-Utans in die Wildnis als letzte Stufe des Rehabilitationsprozesses konnte seit 2002 (damals wurden 350 Tiere in das Waldgebiet "Meratus" entlassen) wegen fehlender Konzessionen nicht mehr umgesetzt werden. Das Projekt im Sinne der Zielsetzung des Forstministeriums. Im regierungsamtlichen Orang-Utan-Aktionsplan (National Strategy and Action Plan for Indonesian Orangutans 2007 – 2017) heißt es, dass bis zum Jahr 2015 alle geretteten Orang-Utans ausgewildert werden sollen.


Das Projekt soll überlebensfähige Orang-Utan-Populationen wieder ansiedeln, als beispielhafte, Mut machende Schutzbemühung für diesen gefährdeten großen Menschenaffen.


Die neuen Populationen werden genetisch sehr vielfältig sein. Und zu hoffen bleibt, dass sie auch vergrößern. Mit der Unterstützung aller beteiligten Akteure und durch die Anwendung wirksamer Prinzipien des Naturschutzmanagements wird das Projekt auf lange Sicht eine überlebensfähige Orang-Utan-Population in ihrem natürlichen Lebensraum ermöglichen und somit helfen, die Zukunft der gefährdeten Menschenaffen zu sichern.
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In unserem Orang-Utan-Blog werden Sie regelmäßig über den aktuellen Stand der Auswilderungen informiert.

Quelle: BOS Foundation